Sehr geehrter Herr Petersen,
sehr geehrte Frau Arnold,
liebe Freundinnen und Freunde des Musiktheaters im Revier,
die schönste Freude ist und bleibt die Vorfreude. Auch deshalb haben sich sicherlich viele von Ihnen - und mir ging es nicht anders - auf den Saisonstart des Musiktheaters im Revier gefreut. Am vergangenen Samstag ist das Ensemble in eine neue Spielzeit gestartet. Diesmal auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Bert Brechts "Dreigroschenoper" in einer sehr pointierten Inszenierung. Schon in den Proben hat Michael Schulz großen Wert darauf gelegt, dass die Akteure die Nähe zum Publikum suchen. Seine Intention dabei hat er im Vorfeld so beschrieben: "Die Aufführung ist ein Plädoyer für die Nähe und Unmittelbarkeit im Kleinen Haus." Damit haben Sie, lieber Herr Schulz, aus meiner Sicht die Qualitäten nicht nur des Kleinen Hauses treffend beschrieben. Das ist auch die Stärke des Musiktheaters überhaupt: die Nähe und Unmittelbarkeit!
Denn es besteht ein ganz unmittelbares Verhältnis zwischen dem Musiktheater und seinen Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener lieben ihr MiR und das Stammpublikum fiebert jeder einzelnen Premiere entgegen. Dass dies so ist, daran trägt auch die Theatergemeinde eine Schuld. Ja, auch Sie sind schuld daran, wenn viele Menschen einen Zugang zur Musik und zum Tanz finden. Aber ich denke, Sie können mit dieser Verantwortlichkeit gut leben. Immerhin tun Sie das ja im 89. Jahr Ihres Bestehens.
Sie merken schon: Da steht im nächsten Jahr ein runder Geburtstag an, wie überhaupt derzeit rund um das Musiktheater Jubiläen gefeiert werden. Ein ganz besonderes werden wir im Dezember begehen. Wenn das Haus höchst selbst seinen 50. Geburtstag feiert. Und wie das als Jubilar so üblich ist, putzt man sich für die Feier ordentlich raus. Die Stadt Gelsenkirchen investiert trotz schwieriger Haushaltslage insgesamt acht Millionen Euro. Das ist auch Ihr Geld, mit dem der Zuschauerraum renoviert wird, um pünktlich zum 50. Jubiläum und zum Kulturhauptstadtjahr in neuem Glanz zu erstrahlen. Das ist ja auch der Grund, warum wir das heutige Preisträgerkonzert in der Georgskirche hören und nicht im Musiktheater selbst. Denn dort wird noch immer gebaut und gewerkelt, renoviert und verschönert. Wir alle sind auf das Ergebnis sehr gespannt!
Für mich sind die Umbauarbeiten auch ein äußerliches Zeichen dafür, dass Beständigkeit nur im Wandel liegen kann. 50 Jahre MiR, fast 90 Jahre Theatergemeinde, über 20 Preisträgerkonzerte: Diese Wegmarken hätten wir nicht erreicht, wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht auch etwas verändert, geändert, angepasst hätte an eine Zeit, die stets etwas Neues von uns fordert. Das Musiktheater hat sich mit seinen Ensembles und Generalintendanten entwickelt. Und auch die Theatergemeinde selbst hat sich über die Jahre fortentwickelt, professionalisiert und zuletzt auch personell neu aufgestellt. Ihnen, lieber Herr Petersen, und Ihrem Team wünsche ich viel Erfolg bei der Aufgabe, die Theatergemeinde immer wieder aufs Neue für das MiR zu begeistern.
Eine der lieb gewonnenen Traditionsveranstaltungen der Gemeinde sind sicherlich die jährlich stattfindenden Preisträgerkonzerte. Zum mittlerweile 21. Mal vergeben Sie die "Arbeiterfigur in Bronze" an die beliebteste Solistin sowie den beliebtesten Solisten der vergangenen Spielzeit. Die Skulptur von Tisa von der Schulenburg ist dabei ein Symbol: Sie verdeutlicht, wo die Wurzeln der Theatergemeinde liegen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
auch in diesem Jahr bleiben die Preisträger bis zuletzt geheim. Doch es ist kein Geheimnis, dass nicht irgendwer über die zu Ehrenden bestimmt hat, sondern die, die es wirklich angeht: Die Zuschauerinnen und Zuschauer des Musiktheaters wählen traditionell ihre Besten der vergangenen Spielzeit, die ich nun ehren möchte...